

Der Ruhestand naht, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Was nimmt man
sich nicht alles vor: Verreisen, mehr auf die Enkelkinder aufpassen,
alte Feind-/Freundschaften wieder auffrischen. Aber dann kommt, wie in
meinem Fall, so ein "junger Spund" von 30 Jahren und schenkt mir zu
meinem runden Geburtstag eine Lektüre für Senioren: "Tipps & Ideen für
unternehmungslustige Menschen im besten Alter". Ich bedanke mich zwar
artig, schaue ihn aber dennoch entrüstet von der Seite an, was er
grinsend zur Kenntnis nimmt. Das Buch schiebe ich gleich am nächsten Tag
in die hinterste Ecke meines Bücherregals.
Einige Monate später dann die obligatorische Frage: "Hast Du das Buch schon gelesen?" Ich antworte etwas verlegen: "Nein, ich bin noch nicht dazu gekommen". Aber bevor er noch einmal fragt, nehme ich mir lieber die Zeit und blättere das Buch durch. Die Überraschung: Meine Lektüre ist überhaupt nicht langweilig, sondern so interessant und spannend aufbereitet, dass ich sie fast ohne Unterbrechung durchlese. Und das Resultat: Ich werde auf zwei Hamburger Senioreneinrichtungen aufmerksam, nämlich das Freiwilligen-Zentrum an der Danziger Straße und auf das Seniorenbüro am Steindamm.
Angenehm überrascht, was sich da so hinter dem Freiwilligen-Zentrum verbirgt, erfahre ich, dass sich Senioren nicht nur zum Kaffeekränzchen treffen. Bei einem Besuch in der Geschäftsstelle erklärt man mir das Bundesmodellprogramm Erfahrungswissen für Initiativen (EFI), das mit der Weiterbildung zum seniorTrainerin eine neue Möglichkeit bieten möchte, sich gesellschaftlich zu engagieren. Auch die Zielgruppe scheint ganz auf mich zugeschnitten zu sein.
Neuer Lebensabschnitt, neues Engagement? Ja, das ist es! Kurz entschlossen melde ich mich für diesen Kursus an, und schon wenig später ist es so weit: Zusammen mit 19 weiteren Seniorinnen und Senioren absolviere ich in Ammersbek ein Fortbildungsseminar zur seniorTrainerin. Dafür gibt es drei Kursblöcke zu je drei Tagen. In der Zeit zwischen den Kursen werden zudem Besuche zu den unterschiedlichsten Projekten und Initiativen angeboten, um Einblicke in die Praxis zu erhalten. Und damit wir uns auch nach Abschluss des Seminars jederzeit schlau machen können, erhalten wir reichhaltiges Informationsmaterial.
Kurz nach Abschluss der Fortbildung haben alle Teilnehmer übrigens Post erhalten von Renate Schmidt, der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Und was schreibt sie uns?: "Durch Ihre Mitwirkung im Modellprogramm 'Erfahrungswissen für Initiativen' (EFI) helfen Sie uns, ein neues Leitbild des Alters in der Öffentlichkeit zu verankern. Hiermit möchte ich Ihnen meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen". Na bitte, dann kann's ja losgehen!
Ingrid Hilbrink